03.04.2020
Tirol

24-Stunden-Betreuung in Tirol stößt an ihre Grenzen

Hilferuf der Betreuungsagenturen

Die Geschäftsführer von vier führenden Tiroler Betreuungsagenturen ziehen an einem Strang und appellieren gemeinsam an die Entscheidungsträger, um dem bevorstehenden Systemkollaps in der 24-Stunden-Betreuung entgegenzuwirken.

Vor allem in der Pflege sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie stark spürbar, das gilt auch für den Bereich der 24-Stunden-Betreuung. Wegen der Schließung vieler Grenzen zu Österreichs osteuropäischen Nachbarn ist die An- und Abreise der Pflegekräfte in vielen Fällen nicht mehr möglich. Zahlreiche BetreuerInnen sind deshalb schon seit mehr als sechs Wochen im Einsatz und kommen aufgrund dieser extremen Belastung an ihre physischen und psychischen Grenzen.

Systemkollaps nach Ostern

Vier Tiroler Betreuungsagenturen bündeln in dieser außergewöhnlichen Situation ihre Kräfte und möchten als Sprachrohr die bevorstehenden Herausforderungen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Politik rücken. Martin Hechenbichler, MSc (Curatio GmbH), Hans Wolf (Pflegedienst ISL gemeinnützige GmbH), Christian Kröll (einfach daheim 24 Stunden Betreuung e.U.) und Mag. Christian Schönherr (LWL24 – zu Hause lebenswert leben) sind sich einig: Nach Ostern droht ein Kollaps des Systems der 24-Stunden-Betreuung in Tirol! Mag. Christian Schönherr betont die Dringlichkeit eines geordneten Wechsels der Personenbetreuer: „Die Auflagen der 14-tägigen Quarantäne und alle notwendigen hygienischen Maßnahmen sind Voraussetzung für den Einsatz einer Betreuungskraft. Zudem fordern wir eine Testung aller einzusetzenden BetreuerInnen.“

Tiroler Betreuungsagenturen appellieren an Politik

Um Ansteckungen zu vermeiden und das Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten, sind Schutzausrüstungen nicht nur im stationären Bereich und in der mobilen Pflege wichtig, sondern auch in der Personenbetreuung. „Handschuhe, Händedesinfektionsmittel und Mundschutz-Masken sollten den BetreuerInnen unbedingt zur Verfügung gestellt werden“, betont Hans Wolf. Zudem fordern die Interessenvertreter einen gesicherten Korridor am Land bzw. Luftweg aus den Herkunftsländern und die Unterstützung bei der Unterkunftssuche für Quarantänefälle durch das Land Tirol.

Sicher in den eigenen vier Wänden

Sollte die 24-Stunden-Betreuung oder die Pflege von Angehörigen ausfallen, können die zu betreuenden Personen im Notfall in Reha- oder Kurhäusern untergebracht werden. Martin Hechenbichler sieht in dieser Vorgehensweise jedoch zahlreiche Risiken: „Die meisten pflegebedürftigen Personen zählen aufgrund des Alters und Vorerkrankungen zu den Hochrisikogruppen. Schon alleine deshalb müssen wir größtmögliche Anstrengungen unternehmen, um den Verbleib in den eigenen vier Wänden zu gewährleisten.“ Eine große Anzahl der betreuten Menschen leide laut dem diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger zudem unter demenziellen Erkrankungen, die bei einem Ortswechsel oftmals zu erheblichen gesundheitlichen Verschlechterungen führen können.

Ansprechpartner für Betroffene

Viele Tiroler Agenturen unterstützen pflegebedürftige Menschen, Angehörige und PersonenbetreuerInnen in dieser schwierigen Zeit. Die Ansprechpartner informieren und klären über alle notwendigen hygienischen Maßnahmen auf. „PersonenbetreuerInnen aus dem Ausland kämpfen in dieser Krise mit Unsicherheiten und Ängsten. Sie müssen diese Zeit in unserem Land ohne ihre Familien meistern. Ihr bisheriger Einsatz war enorm und es gilt, ihnen allen größten Dank auszusprechen“, so Christian Kröll.

 

 

Ansprechperson für Presseanfragen

Martin Hechenbichler, MSc
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger
Geschäftsführung Curatio GmbH
Tel.: +43 660 2765777
hechenbichler@curatio.at

Lisa Antretter
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